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Vom Porschetyp 714 zum Leopard

Bereits während des zweiten Weltkriegs werden die technischen Vorraussetzungen für den Leopard gelegt. So werden für einen niemals verwirklichten Kampfpanzer Panther F, Infrarot Zielgeräte, stereoskopische Entfernungsmesser, stabilisierte Waffenanlagen und Zieloptiken, eigenständige Kommandantenoptiken, gegen Hohlladungsgeschosse wirksame Zusatzpanzerungen, Flugabwehrbewaffnung, Abkehr von Mündungsbremsen für die Bordkanone, Rauchausblaseinrichtungen und Rauchabsauger, Kampfraumheizungen durch Motorabwärme usw. erprobt. Das Kriegsende verhinderte teilweise die Serienreife dieser Entwicklungen und machte einen Fortgang der Entwicklung dieser inovativen Techniken unmöglich. Mit dem Beitritt der jungen Bundesrepublik Deutschland zur NATO und die damit einher gehende Aufstellung der Bundeswehr, wurde die Panzerverbände zunächst mit altem Gerät des NATO Partners USA ausgestattet. Sehr schnell zeigten sich aber die Schwächen der eingeführten Panzertypen M41; M47 und M48. Diese Fahrzeuge waren schlecht bewaffnet, schwerfällig, kompliziert in der Bedienung, verbrauchten Unmengen an Treibstoff und die Bundeswehr war bei der Versorgung mit Ersatzteilen auf den Bündnispartner angewiesen. So wuchs schnell der Wunsch diese Panzertypen durch Andere, bevorzugtermaßen, deutsche Panzer zu ersetzen!

Schon 1954 entwickelte die Dr. Ing. h.c. Porsche KG in Zusammenarbeit mit der Daimler-Benz AG einen Panzertyp für die indische Armee. Dieser als Projekt “714” vorgeschlagene Typ kam aber nie über das Reißbrett hinaus, bildete aber den Grundstock für die weiteren Entwicklungen hin zum Leopard.

Am 23.November 1956 wurde die erste Forderung nach einem deutschen Kampfpanzer zur Ausrüstung der Bundeswehr gestellt. Die Schwerpunkte wurden hierbei auf hohe Beweglichkeit und ein maximales Gefechtsgewicht von 30 Tonnen gelegt. Panzerschutz und hohe Feuerkraft wurden zunächst als zweitrangig angesehen. So kehrten man zu Guderian´s Tugenden zurück, der schon 20 Jahre zuvor schnelle, hochmobile und flexible Panzer vorderte !

Zwischen Frankreich und Deutschland wurde im Juni 1957 ein bilateraler Vertrag über die Entwicklung und Produktion eines “Standardpanzers” getroffen. Dieser Auftrag wurde deutscherseit ausgeschrieben. Folgende Firmen beteiligten sich an der Ausschreibung und wurden in Arbeitsgruppen (AG) zusammengefasst:

Arbeitsgruppe A aus Porsche, Jung, Luther & Jordan und MAK

Arbeitsgruppe B aus Ing. Büro Warnecke, Rheinstahl Hannomag und Henschel

Türme und Waffenanlage kommen von Wegmann und Rheinmetall

Am 25. Juli 1957 stellte das BMVg folgende Forderung an den zu Entwickelden Kampfpanzer auf: Gesamtgewicht bis 30 Tonnen, Leistungsgewicht 30 PS/to, Vielstoffmotor mit Luftkühlung, Federung nach dem letzten Stand der Technik, Höchstbreite 3,15 Meter, Bodendruck maximal 0,8 kp/cm². Dazu kamen nach Absprache mit Frankreich eine Durchschlagleistung auf 2000 Meter von 150 mm/30° Panzerstahl sowie der Schutz gegen 20 mm Beschuß.

Im September 1958 trat auch Italien dem bilateralen Vertrag bei. Die Forderungen wurden weiter konkretisiert: Hohe Treffsicherheit, ABC Schutz, rasche Schußfolge, geschossabweisende Form, ergänzende Sekundärbewaffnung, gute Bechleunigung, Waten- und Unterwasserfahren, niedrige Silhouette usw

Bis Mitte 1959 standen die ersten Holzmodelle beider AG´s zur Verfügung. Von der Firma Jung-/Jungenthal wurde der Prototyp A1 und von MAK in Kiel der Prototyp A2 gefertigt.Diese als Porschetyp “723” benannten Fahrzeuge waren auf 33 to (später 35 to), 10 Zylindermotor und einer Geschw. von 65 Km/h ausgelegt. Schnell folgenten auch die ersten Erprobungsmuster. Die beiden Typen wurden auf den Übungsplätzen Stegsdorf und Putlos einer ausgiebigen Erprobung unterzogen. Die beiden “723 er” waren mit Türmen von Rheinmetall und einer von Rheinmetall entwickelten 105 mm Kanone ausgestattet.

Mitte 1960 wurde die Werkserprobung der Fahrzeuge durchgeführt um Schwächen in der Standfestigkeit abzustellen. Die AG B stellte bei Rheinstahl Hannover den Prototypen B1 fertig. Den Typen B2 lieferte Henschel in Kassel. Beide Prototypen der AG B gingen sofort ebenfalls in die Werkserprobung. Beide AG´s hatten für Februar 1961 den Vorstellungstermin bei den Erprobungstellen 41 und 91 des Heeres erhalten. Bereits Anfang 1960 wurden 26 Fahrzeuge eines Prototyp 2 bei der AG A und 6 Fahrzeuge der AG B geordert. Ab September lief, unter Berücksichtigung der bei der Erprobung gemachten Erfahrungen, die Produktion dieser Fahrzeuge an. Dabei lieferte MAK und Jung-/Jungenthal jeweils 6 Stück des Porschetyps “773” der AG A und Luther & Jordan 2 Stück von geforderten 8 Fahrzeugen.


Ohne Rücksicht auf die noch nicht abgeschlossene Werkserprobung, sollten alle 4 Prototypen 1 bereits im Februar 1960 an die Erprobungsstelle 41 in Trier abgegeben werden. Dort sollte neben der Überprüfung der Fahrzeuge auch die Vorstellung des Standartpanzer vor nationaler und internationaler Politik und Panzerexperten erfolgen. Parallel liefen Werkserprobung der AG B weiter, so daß eine Endgültige Übergabe der beiden Fahrzeuge erst im September durchgeführt wurde. Durch die trilaterale Vergleichserprobung ergaben sich neue Forderungen an den Panzer: Tauchfähigkeit bis 8 Meter, Einhaltung der 30 Tonnengrenze, Verwendung eines EinschießMG und Verwenung der britischen Kanone L7 A1. Bereits ab Juni begann ohne Rücksich auf die noch laufende Erprobung die Entwicklung der ersten 50 Vorserienpanzer, die ab Oktober in Fertigung gingen.Nach den bei der Erprobung aufgetretenen technischen Problemen zieht sich die AG B aus der Entwicklung des Prototyp 2 zurück. Zum Jahresende kommen alle Prototypen 2 an der Erprobungsstelle 91 in Meppen in Erprobung

Bis Ende Januar 1961 hatten die 2 Prototypen der AG A, 6.256 Km bzw. 9.738 Km unter  die Ketten genommen. Bei der AG B waren es 4.486 Km bzw. 4.997 Km. Auch die Waffenanlagen und Türme werden einer umfangreichen Erprobung unterzogen. Die Erprobung der Typen 1 wurde im April abgeschlossen. Diese Erprobung brachte folgende Ergebnisse: Der Vorschlag der AG A wird für die Weiterentwicklung ausgewählt; Die hydrostatische Federung die hydrostatische Überlagerungslenkung hat sich als zu Störanfallig gezeigt; Die verbauten Entfernungsmesser und Kanonen entsprechen nicht den Forderungen; Das Hilfsaggregat ist entbehrlich. Die bis zum Hochsommer andauernden Erprobungen mit dem Prototyp 2 machen schnell deutlich, daß es noch an vielen Stellen Nachbesserungsbedarf gibt. So müßen u.a. Lenkung, Luftfilter, Kraftstoffanlage, Heizung, Feuerlöschsystem und ABC Schutzanlage verbessert werden. Im Herbst werden 1500 Rohre der britischen Kanone L7 A1 angeschafft. Im Oktober läuft eine weitere trilaterale Vergleichserprobung in Meppen, Bourges und Satory . 6 Fahrzeuge des Typ “773” werden für eine Truppenerprobung an der Kampftruppenschule 2 in Munster vorbereitet.

Panzerzug des Panzerlehrbataillon 93
auf dem Truppenübungsplatz Munster
Quelle: PzLBtl 93

Panzerzug des Panzerlehrbataillon 93
auf dem Truppenübungsplatz Munster
Quelle: PzLBtl 93

In der laufenden Truppenerprobung durch das Panzerlehrbataillon 93 im Jahr 1963 wurde das nun als Kampfpanzer “Standard” bezeichnete Fahrzeug der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Deutsche Bundestag genehmigt den Ankauf von 50 Fahrzeugen der 0 Serie für die Bundeswehr. Diese Fahrzeuge werden von Jung-/Jungenthal (17 Stück), Luther  Jordan (17 Stück) und MAK (16 Stück) geliefert und tragen die Bezeichnung Porschetyp “814”. Von der italienischen Armee werden im August Vergleichserprobungen mit dem französischen AMX 30 auf dem Übungsplatz Mailly-le-Camp durchgeführt. Der deutsche “Standard” besticht dabei durch höhere Beweglichkeit, bessere Standfestigkeit und bessere Kanone. Erstmals wird der Name “Leopard” in Verbindung mit dem neuen Panzer verwendet.

Die Erprobungen in der Truppe als auch an den Erprobungsstellen gehen auch 1964 weiter.Dabei werden 68.600 Km gefahren und 7.300 Schuß Borkanonenmunition verschossen. Die gemachten Erfahrungen fließen ständig in die Entwicklung ein. Der vormals verbaute Basis Entfernungsmesser kommt wieder zum Einbau. Am 12. Juli durchfahren bei Rodenkirchen 3 Leoparden den dort 320 Meter breiten und 3,20 Meter tiefen Rhein. Die Bundesregierung stellt 1,5 Millarden DM für die Anschaffung des neuen Kampfpanzers bereit. Der Leopard wird nochmals unter besonderen klimatischen Verhältnissen erprobt. Dazu werden mehrere Leoparden auf dem Übungsplatz Teulada/Sardinien von deutscher und italienischer Seite erprobt.

Im Januar liefert die deutsche Industrie 2 Leoparden im Austausch gegen 2 Stück Chieftain zur Erprobung an das britische Heer. Ab April erprobt die belgische Armee den Leopard an der belgischen Panzertruppenschule Leopoldsburg auf Herz und Nieren. Am 9. September läuft der erste Serien Leopard das Band bei Krauss-Maffei in München. Ende des Jahres werden 2 Leoparden nach Kanada für eine Wintererprobung unter deutscher Federführung geliefert. Bis Jahresende werden 150 Leoparden  des 1. Loses in München gefertigt und ausgeliefert.

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